Persischer Tee: Teekultur aus dem Iran – Samowar, Zucker und Gastfreundschaft

Persischer Tee ist kräftig, tiefrot und ein Zeichen der Gastfreundschaft. Wie der Tee in den Iran kam, wie man ihn mit Samowar zubereitet und wie man ihn trinkt – mit Würfelzucker oder als Chai Nabat.

Wer im Iran zu Gast ist, bekommt fast immer zuerst ein Glas persischer Tee gereicht – noch bevor über das Essen gesprochen wird. Persischer Tee ist kräftig, tiefrot und wird in kleinen Gläsern serviert, damit man seine Farbe sieht. Er begleitet das Frühstück, den Nachmittag und das Ende eines langen Abendessens. Gerade jetzt, wenn es in Wien früher dunkel wird, passt diese Teekultur besonders gut in den Alltag. In diesem Beitrag erklären wir, wie persischer Tee zubereitet wird, wie man ihn trinkt und was er mit Gastfreundschaft zu tun hat.

Wie der Tee in den Iran kam#

Heute ist Tee aus dem iranischen Alltag nicht wegzudenken, doch die Teekultur im heutigen Sinn ist vergleichsweise jung. Lange wurde ein Großteil des Tees aus Indien eingeführt. Das änderte sich Ende des 19. Jahrhunderts: Der Diplomat Mohammad Mirza, bekannt unter dem Ehrentitel Kashef as-Saltaneh, brachte Teesamen und Setzlinge aus Indien mit und begann den Teeanbau im Norden des Landes. Laut Wikipedia wählte er dafür Lahijan in der Provinz Gilan und Tonekabon in Mazandaran; schon 1903 standen allein in Lahijan rund 300.000 Teepflanzen. Er liegt in Lahijan begraben, wo heute ein Teemuseum an ihn erinnert. Die feuchten, grünen Hänge am Kaspischen Meer sind bis heute das wichtigste Teeanbaugebiet des Iran.

So wird persischer Tee zubereitet#

Typisch für persischen Tee ist schwarzer Tee, der sehr stark aufgebrüht wird. Traditionell steht dafür ein Samowar auf dem Tisch oder in der Küche – ein Metallkessel, der das Wasser stundenlang heiß hält. Auf dem Samowar sitzt eine kleine Teekanne mit dem konzentrierten Tee. Jeder gießt sich etwas davon ins Glas und verdünnt ihn mit heißem Wasser, bis Farbe und Stärke passen.

Zu Hause geht es auch ohne Samowar:

  1. Teeblätter wählen: Ein loser schwarzer Tee mit kräftigem Aroma eignet sich am besten.
  2. Kräftig aufbrühen: Den Tee in einer kleinen, vorgewärmten Kanne mit wenig sprudelnd heißem Wasser aufgießen.
  3. Ziehen lassen: Die Kanne warm halten – etwa auf einem Topf mit leise köchelndem Wasser – und den Tee einige Minuten ziehen lassen.
  4. Verdünnen: Den konzentrierten Tee ins Glas geben und mit heißem Wasser auffüllen.

Je nach Region und Familie kommen Aromen dazu. In Kerman und Yazd wird Tee oft mit Safran, Rosenwasser oder Kardamom serviert, in Isfahan gern zusammen mit Kardamom oder der Süßigkeit Gaz.

Wie man persischen Tee trinkt#

Statt den Zucker im Glas umzurühren, nimmt man traditionell ein Stück Würfelzucker in den Mund und trinkt den Tee durch den Zucker hindurch. Beliebt ist auch Chai Nabat: schwarzer Tee mit Nabat, kristallisiertem Kandiszucker. Viele Familien bieten Chai Nabat an, wenn jemand erkältet ist oder sich nach einem schweren Essen nicht wohlfühlt.

Oft steht etwas Süßes dazu auf dem Tisch. Und wer mag, trinkt nicht nur ein Glas – nachgeschenkt wird, solange das Gespräch läuft.

Tee und Gastfreundschaft#

Im Iran ist Tee vor allem eine Geste. Ein Gast wird fast immer mit einem frisch aufgebrühten Glas Tee begrüßt, und mehrere Runden anzubieten gilt als Zeichen von Herzlichkeit. Tee ganz abzulehnen, wirkt dagegen schnell unhöflich. Früher waren die Teehäuser (Ghahveh-Khaneh) Orte, an denen Geschichten erzählt, Gedichte vorgetragen und diskutiert wurde.

Auch bei Festen spielt Tee eine Rolle. In der Yalda Nacht, der längsten Nacht des Jahres, sitzt man bis spät zusammen – mit Granatapfel, Nüssen, Gedichten und natürlich vielen Gläsern Tee.

Persischer Tee nach dem Essen#

Weil persischer Tee kräftig und leicht herb ist, passt er besonders gut zum Abschluss einer reichhaltigen Mahlzeit. Nach einem Teller Ghormeh Sabzi, dem Kräutereintopf mit Lamm und roten Bohnen, oder nach dem süß-säuerlichen Fesenjan mit Walnüssen und Granatapfel bringt ein Glas Tee den Geschmack wieder ins Gleichgewicht. Ebenso gehört er nach gegrilltem Kabab Koobideh einfach dazu. Mehr über die langsam geschmorten Klassiker lesen Sie in unserem Beitrag über persische Eintöpfe, weitere Gerichte finden Sie in unseren persischen Rezepten.

Persische Küche in Wien erleben#

Wer persische Gastfreundschaft nicht nur nachlesen möchte: Das SANTOOR in der Florianigasse 20, 1080 Wien, ist ein persisches Restaurant mit einer zu 100 % halal geführten Küche und hat täglich von 12:00 bis 22:00 Uhr geöffnet. Für einen gemütlichen Abend mit Familie oder Freunden können Sie gleich hier einen Tisch reservieren.

Nooshe jan – wohl bekomm’s!

Santoor