Rosenwasser, Safran, Kardamom und Pistazien: Persische Süßigkeiten duften, bevor man sie probiert. Im Iran gehört Süßes zu fast jedem Moment des Alltags – zum Tee am Nachmittag, zum Besuch bei Verwandten, zum Neujahrsfest Nowruz und zu religiösen Feiertagen. Persische Süßigkeiten sind dabei oft weniger klebrig, als man vermutet, und überraschend elegant. In diesem Artikel stellen wir acht Klassiker vor, erklären, welche Zutaten sie prägen, und verraten, zu welchen Anlässen man sie im Iran isst.
Was persische Süßigkeiten so besonders macht#
Die iranische Konditorkunst lebt von wenigen, aber starken Aromen. Rosenwasser aus der Damaszener-Rose ist das wohl wichtigste – es parfümiert Sirup, Gebäck und Eis. Safran färbt Desserts goldgelb und gibt ihnen eine feine, leicht herbe Note; mehr über das „rote Gold“ lesen Sie in unserem Artikel über persischen Safran. Dazu kommen Kardamom, Pistazien und Mandeln, die vielen iranischen Süßigkeiten Farbe und Biss geben.
Typisch ist auch, dass viele Spezialitäten aus einer bestimmten Stadt stammen. Wer im Iran reist, bringt deshalb als Mitbringsel (Soghati) gern die Süßigkeit der jeweiligen Region mit nach Hause – so wie man in Österreich vielleicht Mozartkugeln aus Salzburg mitbringt.
Iranische Süßigkeiten aus den Städten Persiens#
Gaz aus Isfahan#
Gaz aus Isfahan ist eine weiche, weiße Nougat-Spezialität mit Pistazien oder Mandeln, verfeinert mit Rosenwasser. Ursprünglich wurde Gaz mit Angebin hergestellt, einem süßen Pflanzensaft, der auf Tamarisken-Sträuchern in der Gegend entsteht. Heute wird er meist durch andere Zutaten ersetzt, doch der Name ist geblieben. Gaz wird in Mehl gewälzt verkauft, damit die Stücke nicht aneinanderkleben. Mehr zur Geschichte findet man im Wikipedia-Artikel über Gaz.
Sohan aus Qom#
Sohan ist ein knuspriger Safran-Krokant aus der Stadt Qom. Er wird aus Zucker, Butter, Safran und gekeimtem Weizen gekocht und mit Pistazien oder Mandeln bestreut. Die runden, goldenen Plättchen sind so berühmt, dass „Sohan-e Qom“ im Iran beinahe ein Synonym für die Stadt ist.
Baklava aus Yazd#
Baklava kennt man aus vielen Ländern, die persische Variante aus Yazd ist jedoch kleiner, trockener und weniger süß. Statt dicker Sirupschichten setzt sie auf gemahlene Mandeln oder Pistazien, Kardamom und Rosenwasser. Die kleinen Rauten passen perfekt zu einem Glas Tee.
Persische Desserts für heiße Tage#
Faloodeh aus Shiraz#
Faloodeh gilt als eines der ältesten gefrorenen Desserts der Welt. Hauchdünne Fadennudeln aus Stärke werden in einem halbgefrorenen Sirup aus Zucker und Rosenwasser serviert – dazu ein Spritzer Limettensaft oder etwas Sauerkirschsirup. Das Ergebnis ist erfrischend, leicht säuerlich und ideal für den Sommer in Shiraz.
Bastani Sonnati – das Safran-Eis#
Bastani Sonnati, wörtlich „traditionelles Eis“, ist ein cremiges Eis mit Safran, Rosenwasser und Pistazien. Oft stecken kleine Stücke gefrorener Sahne darin. Auf der Straße wird es gern zwischen zwei dünnen Waffeln wie ein Sandwich verkauft – ein Klassiker für Kinder und Erwachsene.
Persische Süßigkeiten zu Festen und Feiertagen#
Viele persische Süßigkeiten sind eng mit dem Kalender verbunden.
Nan-e Nokhodchi sind kleine, kleeblattförmige Kekse aus Kichererbsenmehl mit Kardamom, oft mit einer Pistazie verziert. Sie zerfallen auf der Zunge und gehören zu Nowruz, dem persischen Neujahr im März, auf jeden Gästetisch.
Zoolbia und Bamieh sind frittiertes Gebäck, das in Sirup mit Rosenwasser und Safran getaucht wird. Zoolbia hat die Form verschlungener Kringel, Bamieh ist kleiner und gerillt. Beide sind besonders im Fastenmonat Ramadan beliebt, wenn sie zum Fastenbrechen gegessen werden.
Sholeh Zard ist ein goldgelber Safran-Reispudding mit Rosenwasser, den man mit Zimt und gehackten Pistazien verziert – oft in kunstvollen Mustern. Er wird traditionell als Nazri zubereitet, als Speise, die man nach einem Gelübde mit Nachbarn und Bedürftigen teilt. Reis spielt in der iranischen Küche übrigens auch bei salzigen Gerichten eine große Rolle, wie unser Rezept für Morasa Polo zeigt – den „Edelsteinreis“ mit Pistazien, Mandeln und Trockenfrüchten, der zeigt, wie fließend die Grenze zwischen süß und herzhaft ist.
Süßes und Tee: ein unzertrennliches Paar#
Im Iran isst man Süßigkeiten selten allein. Fast immer steht ein Glas kräftiger, tiefroter Tee daneben. Manche trinken ihn mit einem Stück Würfelzucker im Mund, andere mit Nabat, dem Safran-Kandiszucker. Wie die Teekultur funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag über persischen Tee.
Auch nach einem herzhaften Essen – etwa nach einem Grillteller, dessen lange Geschichte wir im Artikel Die Geschichte des Kebab erzählen – sind Tee und etwas Süßes der übliche Abschluss. Wer zu Gast ist, bekommt die Süßigkeiten fast immer angeboten, oft mehrmals, ganz im Sinne der persischen Gastfreundschaft.
Fazit: Persische Süßigkeiten mit allen Sinnen entdecken#
Persische Süßigkeiten erzählen viel über das Land: über seine Städte, seine Feste und seine Liebe zu Duft und Farbe. Ob Gaz aus Isfahan, knuspriges Sohan oder kühles Faloodeh – jede Spezialität hat ihre eigene Geschichte. Wer die iranische Küche kennenlernen möchte, sollte deshalb nicht nur an Reis und Kebab denken, sondern auch an das, was danach kommt.
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